Und plötzlich geht es!

Oder was Covid-19 so alles an Nebenwirkungen mit sich bringt.

 „Ich spüre großen Rückhalt und Unterstützung, besonders bereichsübergreifend, das Silodenken ist weg.“ „Eine andere Art der Zusammenarbeit, eine wirksamere ist jetzt möglich.“ „Macht echt Spaß etwas auf die Beine zu stellen, wenn so viele mitziehen und unsere Ideen so positiv aufnehmen.“ (Kundenstimmen der letzten Tage)

Und das in einer Zeit, in der viele in existenzbedrohenden Rahmenbedingungen agieren müssen. Krisen verrücken, nicht nur zur Zeit fast alles von Offline zu Online, sondern auch unsere sozialen Verhaltensformen. Krisen bringen Leid, aber im Umgang damit bringen Krisen auch Ungeahntes zum Vorschein. Krisen wirken vor allem, indem sie alte, hinderliche Muster auflösen, ja, überflüssig machen.

Manchmal muss man auseinander gehen („social distancing“), um in einer anderen, besseren Form wieder zueinander zu finden. Krisen, die so einschneidend für jeden von uns sind, haben das Potential für große Entwicklungsschritte, für die Gesellschaft, Organisationen und jeden einzelnen von uns. Zeiten großer Ungewissheit bergen auch das Potential neuer Klarheit. Es gleicht dem Drücken der Reset-Taste für eine neue Ordnung kultureller Regeln und Prinzipien.

Dieses Momentum könnten Organisationen nutzen. Covid-19 oder eher die von den Regierungen beschlossenen Rahmenbedingungen für Arbeit wirken nun wie ein Katalysator für Veränderungen, die schon lange fällig waren. Jetzt ist der Dringlichkeitsbedarf offensichtlich und für alle spürbar – eine nicht ersehnte, aber extrem wirksame Grundbedingung für Veränderung lebender Systeme.

Beispiel „Home Office“

Eine große Organisation im Verwaltungsbereich diskutierte seit Jahren, wer, wann, wie lange mit welchen Regeln von zuhause arbeiten darf und setzt halbherzig Kompromisslösungen um – eine Gratwanderung zwischen Kontrolle und Vertrauen. Letzte Woche werden innerhalb weniger Tage rund 3.000 Heimarbeitsplätze eingerichtet. Plötzlich müssen sich alle darauf einlassen, müssen sich mehr Vertrauen denn je. Und funktioniert es? Eine irritierte Führungskraft schildert mir: „Ich verstehe es nicht, meine Mitarbeiter arbeiten jetzt mehr als im Büro. Sie beteiligen sich bei Besprechungen intensiver, auch die, die sich bisher nie zu Wort gemeldet haben.“ Manche müssen sich von alten Glaubenssätzen verabschieden. Andere tun sich da noch schwerer. Ich höre leider auch, wie einige Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen im Home Office jetzt täglich mit E-Learnings zuschütten, damit sie die „freie“ Zeit neben dem Daily Business gut nutzen können.

Beispiel „Performancemanagement“

Für Führungskräfte ist das (ungewohnte) virtuelle Führen eine große Herausforderung, aber ebenso eine Chance. Zum Beispiel, um einen neuen Blick auf Leistung zu werfen. Leistung kann plötzlich nicht mehr über Anwesenheitszeiten im Firmengebäude gemessen werden. Woran erkenne ich die Leistung meiner Mitarbeiter*innen? Welche Erwartungen habe ich? Und sind diese klar ausgesprochen? Wie gebe ich dazu laufend Feedback? Und was ist eigentlich meine Aufgabe als Führungskraft, wenn jede(r) meiner Mitarbeiter*innen eigenverantwortlich seinen/ihren Job macht?

Beispiel „Entscheidungen treffen“

In einer anderen Organisation arbeiten wir seit einem halben Jahr an einer Veränderung der Entscheidungsstrukturen und -prozesse, um schnellere, flexiblere Entscheidungen näher am Kunden zu ermöglichen. Ein langwieriger Prozess, der durch eingelernte, alte Muster, immer wieder gebremst wurde. Und plötzlich funktioniert es! In den letzten zwei Wochen wurden Dinge entschieden, die davor Monate gebraucht hätten. Mitarbeiter*innen sind verwundert. Die typischen endlos langen Diskussionen sind verschwunden und mutige, „Safe enough to try“-Entscheidungen werden laufend getroffen.

Ein ungeahnter Crash-Kurs

Wir erleben eine noch nie dagewesene Flexibilität und Agilität in der Zusammenarbeit, ein intensives aufeinander Eingehen, mehr Zuhören. Niemand wird jetzt daran gemessen, wie perfekt er/sie ist, sondern wie aktiv im Improvisieren, im Ausprobieren von Neuem – wo Fehler erlaubt sind, wenn man schnell darauf reagiert. Rahmenbedingungen, in denen Menschen plötzlich kreativ und innovativ werden.

Vertrauen statt Kontrolle, Eigenverantwortung statt Anweisung, Vernetzung statt Silos, Fehlerwiedergutmachung statt Fehlervermeidung. Die Zukunft der Arbeitswelt jetzt im Crash-Kurs!

Auch wenn für viele die Veränderung vorerst ein schnelles Erlernen von Online Collaboration Tools bedeutet, findet der eigentlich entscheidende Change in der Neuordnung der eigenen Annahmen über die Welt statt. Ich selbst habe meine Annahmen, was in Online Workshops alles möglich ist, in den letzten Wochen radikal verändert. Wir sind alle ins kalte Wasser gestoßen worden. Lernen wir jetzt das Schwimmen in unsicheren Gewässern neu! Nur so kann ein Paradigmenwechsel in Organisationen und unserer Gesellschaft stattfinden, um den zukünftigen, unvorhersehbaren Herausforderungen gewachsen zu sein. Diese Transformation können wir mit Unterstützung von Technologie, jedoch in erster Linie mit human-sozialer Intelligenz, wie Matthias Horx es nennt, gestalten.

Und was heißt das für Führung?

In Online Workshops erleben wir momentan bei Führungskräften eine in diesem Ausmaß nie dagewesene Offenheit und Bereitschaft sich auf Neues einzulassen. Im Moment ist virtuelles Führen oft das einzig Mögliche und rascher Kompetenzaufbau zu Online Kommunikation, Remote Work und Umgang mit Verunsicherung bzw. Ängsten notwendig. Neben Krisenmanagement muss Führung aber schon jetzt an die Zeit danach denken. Die Kontexte, in denen wir zukünftig arbeiten, werden immer komplexer, vielleicht auch krisenhafter. Führung muss ihre Organisation dementsprechend umgestalten bzw. neu aufbauen.

Unser Angebot in der Tool Box - Tools für komplexe Kontexte

Wir arbeiten gerade intensiv am Thema Virtual Leadership in Krisenzeiten - Führen in Zeiten starker Ungewissheit, Remote Work & Online Kommunikation und bieten dafür Online Module, Online Coachings und Online Inhouse Workshops mit Raum für Austausch, Sparring und Impulsen für die Zeit danach an. Schauen Sie vorbei!

Zwei kurze Nachträge

Zusätzlich erleben wir in der Beratungsarbeit mit unseren Kunden eine neue Ära der Beziehungsgestaltung. Noch nie war die Augenhöhe so spürbar, noch nie die gemeinsame Entwicklungsarbeit im Sinne von Co-Creation so machbar. Und all das ohne physischen Händedruck. Danke dafür!

Abschließend möchte ich all den Menschen, deren Existenz zurzeit aus gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Gründen bedroht ist, mein tieftes Mitgefühl – und all den Menschen, die teilweise unter Einsatz ihres Lebens Ersteren helfen meine größte Bewunderung ausdrücken. 

Stay Connected, Stay Healthy!
Thomas Schöller aus dem Home Office

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Thomas Schöller

Thomas Schöller

Obsessed Designer of cultural change and deep dive learning experiences. Forscher zur Zukunft der Arbeit und der neuen Rolle von Eigenverantwortung, Autonomie und Fehlerkultur in Organisationen. Brückenbauer zwischen New Work und Old Economy.
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