Business for Future: Initiative für transparente Zusammenarbeit

trainconsulting-Berater Oliver Schrader sprach beim Systemicum 2021 mit Gabriele Faber-Wiener (Center for Responsible Management), Eveline Steinberger-Kern (Gründerin der Blue Minds Company) und Ursula Bittner (Wirtschaftsexpertin von Greenpeace CEE) über den „Kodex für transparente Zusammenarbeit“.


Gekürzter Mitschnitt des Business for Future Labs beim Systemicum 2021

 

Der „Kodex für transparente Zusammenarbeit“ bietet erstmals in Europa Orientierung für Kooperationen zwischen Unternehmen und Non Profit-Organisationen. Er ist aus einer Stakeholder-Initiative entstanden und wurde koordiniert und federführend von Gabriele Faber-Wiener verfasst. Hauptzweck des Transparenzkodizes ist die Schaffung eines klaren Rahmens für alle Beteiligten und damit die Sicherung von ethisch korrektem Handeln, Qualität, Augenhöhe, Transparenz und Glaubwürdigkeit für Wirtschaft wie Zivilgesellschaft.

Inhaltliche Teile des Kodex

Der Kodex lässt sich in vier Teile gliedern:

  1. Das „Warum“, die Gefahren von Kooperationen und die normative Ebene
  2. Die Selbstverpflichtung mit sechs Grundprinzipien (u.a. Unabhängigkeit, Augenhöhe, Transparenz)
  3. Konkrete verpflichtende Normen, denen man sich unterwirft – z.B. bei unentgeltlichen Kooperationen, gemeinsamen Initiativen, Arbeitsgruppen, Sponsoring, Geld- und Sachspenden
  4. Empfehlungen für die Praxis

„Momentan passiert das alles hinter verschlossenen Türen, niemand weiß davon. Man verpflichtet sich dazu, diese Infos in den Jahresbericht oder auf die Webseite zu schreiben. Damit ist Klarheit gegeben“, so Gabriele Faber-Wiener. „Wenn ich zum Beispiel eine Kampagne gegen die Pharmaindustrie habe und gleichzeitig von ihr gesponsert werde – das geht nicht. Das muss man in Zukunft offenlegen.“ Gerade Organisationen, die eine starke Anwaltschaftsrolle nach außen haben und daher auch das Vertrauen der Öffentlichkeit genießen, könnten nicht gleichzeitig eine Studie oder Beratungsleistungen für ein Unternehmen machen. Das führe sonst zu einem massiven Vertrauensbruch.

Die Motivation dahinter

So einen Kodex verfasst man, wenn das Recht nicht ausreicht. Gabriele Faber-Wiener bemerkte, dass es ein ungeregeltes Verhältnis zwischen Unternehmen und NPOs gibFaber Wiener Gabrielet. Gleichzeitig gab es in den letzten 20 Jahren massive Veränderungen auf beiden Seiten. Was früher stark konfrontativ war, hat sich immer mehr verwoben. „Gleichzeitig muss man sich die normative Ebene anschauen – was macht das mit den Rollen? Wo sind etwaige Grenzen, die überschritten werden?“, so Faber-Wiener. „Einer der letzten Auslöser war dann der Ibiza-Skandal.“

Das Verfassen des Kodizes war eine Interaktion zwischen NGO- und Unternehmensseite, aber auch  Jurist*innen und Wirtschaftsprüfer*innen. Fertig sei so ein Kodex in Wirklichkeit nie, er werde permanent weiterentwickelt. „Es geht hier nicht um das Ausspielen zweier Kräfte, sondern darum, sowohl die Unternehmen in ihrer CSR-Funktion als auch die NGOs in ihrer Korrektivfunktion zu stärken und Klarheit zu schaffen“, sagt Gabriele Faber-Wiener.

Die Unternehmensperspektive

steinberger kern evelineEveline Steinberger-Kern gehört mit ihrem Unternehmen Blue Minds zu den Erstunterzeichner*innen: „Persönlich ist mir Transparenz natürlich sehr wichtig. Das ist einer der wesentlichen Bestandteile der Demokratie. Sie ist auch gesellschaftspolitisch eine wichtige Forderung und ein erstrebenswerter Zustand. Es geht um den freien Zugang von Informationen und klare, nachvollziehbare Regelungen.“ Natürlich erfordere das eine Kraftanstrengung. Es sei nicht immer einfach, aber „so ein Prozess kann am Ende nur gewinnen.“ Den Vorteil, „sauber“ zu sein, werde man auch quantitativ messen können. Die Blue Minds Company wolle diese Transparenz auch zu ihren Geschäftspartner*innen weitertragen. Für Unternehmen, die unterzeichnen, gibt es eine einjährige Übergangsfrist.

Die Non Profit-Seite

Ursula Bittner hat in ihrer Funktion als Wirtschaftsexpertin bei Greenpeace CEE die Schnittstelle zwischen NPO und Unternehmen kennen gelernt. Greenpeace nehme selber kein Geld von Konzernen und Unternehmen. „Trotzdem finden wir, dass Kooperationen einen wichtigen Beitrag leisten können, um die gesellschaftlichen Herausforderungen im Umwelt- und Sozialbereich bewältigen zu können“, sagt Ursula Bittner. Ursula BittnerEs sei unbestritten, dass die Expertise des NPO-Sektors wichtig sei, gleichzeitig werde der ganze Sektor instrumentalisiert. „Viele NPOs haben selbst Richtlinien, mit welchen Unternehmen sie arbeiten und mit welchen nicht. Nichtsdestotrotz gibt es auch schwarze Schafe im NPO-Bereich, die dann wie eine ‚Spendenwaschmaschine‘ behandelt werden.“

Ein weiterer wichtiger Begriff sei Greenwashing. Durch Kooperationen könne man sich dieses Image in gewisser Weise holen, aber es entstünden auch Abhängigkeiten. „Das ist oft brisant. Ich kann nicht einerseits im Namen der Umwelt agieren, wenn ich gleichzeitig von einem Unternehmen gesponsert bin, das kontrovers zu diesem Thema steht. Ich habe als Organisation auch Verantwortung meinen Spendern und der Umwelt gegenüber“, sagt Ursula Bittner. Gesetzliche Regelungen werden in Zukunft notwendig sein.

Oliver Schrader

Oliver Schrader

Systemischer Organisationsberater, Sozialwissenschaftler, Lehrbeauftragter, Experte für Organisationsanalysen und Großgruppen
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