Business for Future: Eine Sparkasse auf dem Weg zur Gemeinwohlbilanz

Der Gedanke eines am Gemeinwohl orientierten Handelns findet sich bereits in der Gründungsidee der Sparkasse Neunkirchen. Auch heute ist das Ziel, die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen der Gesellschaft zu stärken. Davon profitiert eine Vielzahl von regionalen Initiativen, Vereinen und Organisationen.

Peter Prober und Gertrude Schwebisch haben im Rahmen des Systemicums mit Susanna Achleitner darüber gesprochen, wie sich regionale Verantwortung ernst nehmen und gleichzeitig ein gutes Betriebsergebnis erwirtschaften lässt. Sehen Sie hier direkt den Mitschnitt des Gesprächs bzw. lesen Sie unten eine Zusammenfassung.

Gekürzter Mitschnitt des Business for Future Labs beim Systemicum 2021

 

Der Balanceakt zwischen Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl-Orientierung

Die Sparkasse Neunkirchen wurde vor 150 Jahren gegründet. Ein Grund zum Feiern – schon auch. Aber das reicht den beiden Vorständen Gertrude Schwebisch und Peter Prober nicht. Sie besinnen sich auf die Gründungsidee des Bankhauses und schenken sich, dem Unternehmen und der Region eine Gemeinwohlbilanz. Was bringt das? Und wie kommt man als Vereinssparkasse (ja – das gibt es) auf diese Idee? Darüber sprach Susanna Achleitner mit den Vorständen im Rahmen des Systemicum im Frühjahr 2021.

Die Sparkasse wurde 1871 von Menschen aus Neunkirchen gegründet. Laut Peter Prober stand der ursprüngliche Gründungszweck Pate*in für die Idee, das Jubiläum mit einer Gemeinwohlbilanz zu begehen. Das damals definierte Ziel ist unverändert relevant: Die Organisation sollte im ländlichen Raum für alle Bevölkerungsgruppen Wohlstand ermöglichen, absichern und die wirtschaftliche Entwicklung fördern. Dafür übernimmt die Kasse heute wie damals Spareinlagen und vergibt Kredite. So wird Risiko verteilt und Wertschöpfung in der Region gehalten. Das Geldinstitut orientiert sich bei der Beurteilung von Krediten an den Prinzipien von Nachhaltigkeit, Regionalität und Wirtschaftlichkeit.

Gertrude Schwebisch nennt zwei Beispiele: Im Schatten der Klimakrise finanziert das Institut Kleinwasserkraftwerke, die sich nicht innerhalb weniger Jahre amortisieren. Das Geschäftsmodell bezieht sich eher auf Generationen. Dennoch macht es – abgesehen von rein ökologischen Aspekten wirtschaftlich Sinn. Als zweites Beispiel für nachhaltige Finanzierung nennt die Vorstandsdirektorin Immobilienfinanzierung. Nachhaltigkeit bedeutet dabei, dass Wohnraum innerhalb des verbauten Ortsgebiet geschaffen wird, anstelle von Neubau in den Randzonen.

Was bedeutet es für Führung, anstelle der vielleicht sonst üblichen Jubiläumsgala abzuhalten, eine Gemeinwohlbilanz als Geburtstagsgeschenk zu erstellen? Dieser Spagat aus gesellschaftlicher Verantwortung und ökonomischer Ausrichtung kann schon ein Spannungsfeld für Führung aufmachen. Auf die Frage, wie damit umgegangen wird, meint Vorstandsdirektor Peter Prober, dass das eben kein kurzfristiges Projekt sei. Die Bilanz umfasst unter anderem Themen wie Energieverbrauch, CO2-Ausstoß, Transportwege, Arbeitsbedingungen… Das braucht einen mehrjährigen Prozess, in dem sich Führungskräfte und Mitarbeiter*innen intensiv mit diesen Themen befassen. Und schließlich werden auch Kreditanträge nach diesen Kriterien geprüft. Die 20 Führungskräfte treffen sich in etwa halbjährlichen Klausuren, um die Vision sowie strategische Ausrichtung nachzuschärfen und das tägliche Geschäft danach auszurichten. Kommunikation und die ständige Bemühung, die Leute mitzunehmen, kommt dabei für Frau Schwebisch große Bedeutung zu. Wichtig ist es, dieses große Bild, die Vision immer wieder in den Blick zu nehmen.

Nachhaltiges Wirtschaften ist aber keinesfalls mit karitativem Engagement zu verwechseln und bedeutet auch nicht, auf Gewinne zu verzichten. Nachhaltigkeit ist auch keine Erfindung der Generation X, Y oder Z. Seit Generationen bedeutet es, im unternehmerischen Kontext so zu handeln, dass Ressourcen nicht erschöpft werden, sondern den nach uns Kommenden in zumindest demselben Ausmaß zur Verfügung stehen. „Unsere Gewinne kommen auch dem Gemeinwohl zugute.“ Es gebe im Unterschied zu anderen Unternehmen der Finanzbranche eben keinen Eigentümer, die Gewinne werden nicht an eine Gruppe abgeliefert – sie verbleiben in der Region und stärken die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. „Wir sind eben gemeinwohl- und nicht aktionärs-orientiert.“ Der Ausgleich zwischen Wirtschaftlichkeit und Gemeinwohl-Orientierung ist dabei sicher immer ein Balanceakt.

Auf das Interview folgen zwei kleinere Diskussionsgruppen mit den Teilnehmer*innen, in denen Fragen gestellt und Themen vertieft werden. Einige Erkenntnisse daraus: Die Positionierung bietet auch Vorteile im Sinne des Employer Branding. Gerade in der Finanzbranche ist in den letzten 15 Jahren Image vernichtet worden. Die in der Unternehmensgeschichte tief verwurzelte Mission des Sparkassenverbandes und der Erste Bank trägt sicher zur Arbeitgeberattraktivität bei und macht Unterschiede zum Mitbewerb. Immerhin waren die ersten Kundinnen der Sparkasse ein Waisenkind und eine Wirtin.

Rund 170 Mitarbeiter*innen betreuen in sieben Filialen rund 50.000 Kund*innen. Die Sparkasse Neunkirchen wurde 1871 von einem Verein gegründet, arbeitet auf Basis des Sparkassengesetzes (SpkG), hat keinen Eigentümer und ist gemeinnützig. Susanna Achleitner begleitet den Vorstand seit 2017 auf diesem visionären Weg.

Susanna Achleitner

Susanna Achleitner

Organisationsberaterin, Führungskräftecoaching zu Leadership und Change, langjährige Erfahrung als Führungskraft, Expertin für Leadership & Leadership Development
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Harald Lederer

Harald Lederer

Systemischer Organisationsberater, Wirtschaftstrainer, Experte für Non-Profit, Social Profit und Public & Health Care
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