trainconsulting in Transformation

Warum wir uns als Unternehmensberatung neu ausrichten

Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns bei trainconsulting mit der Frage, wie wir als Unternehmensberater*innen in der Gesellschaft wertvolle Beiträge liefern können und wie wir in unserem Ökosystem Veränderung in Richtung mehr Nachhaltigkeit unterstützen können. Unter Rahmenbedingungen, die ich in meinen letzten Beiträgen bereits beschrieben habe und die wir auch bereits im Vorfeld unseres Systemicum 2021 intensiv bespielen.

In aller Kürze hier noch einmal in ein paar Fakten zusammengefasst: Unser aktuelles Wirtschaftssystem, das fast ausschließlich auf quantitatives Wachstum gerichtet ist. Eine globale Finanzwirtschaft, die weitgehend losgelöst von der Realwirtschaft agiert und damit nicht mehr im Dienste dieser steht. Die weltweit immer weiter aufgehende Schere zwischen Arm und Reich und die zunehmende Vereinzelung der Menschen. Das BIP wird in der EU in den kommenden zwei Jahren akkumuliert über die Jahre 2020-2022 vermutlich gerade bei plus/minus Null stehen. Die Arbeitslosenquoten steigen weltweit teils auf Rekordniveau. Die Armutsgefährdung ist in der EU in den letzten zehn Jahren weiterhin leicht gestiegen. Und dies bei Privatvermögen allein in Österreich von 1.750 Milliarden Euro, die zu 60 Prozent in der Hand von einem Prozent EinwohnerInnen liegen, während die Hälfte der Bevölkerung nur rund 17.000 Euro Nettojahreseinkommen zur Verfügung hat (Quelle: https://kontrast.at/einkommensverteilung-oesterreich). Eine Tendenz, die in Österreich ähnlich jener in den USA in den letzten Jahren stark zugenommen hat. All dies hat nicht zuletzt den Aufstieg von (vor allem rechten) Populisten angetrieben. Sie nützen die wachsende Unzufriedenheit in den Gesellschaften dafür, demokratiegefährdende Tendenzen in Gang zu setzen. Ich erspare mir hier Beispiele dafür anzuführen.

Zum Glück können wir global auch eine Menge positiver Entwicklungen beobachten, die in den Bad News meist untergehen: die massive Verringerung der drastischsten Armut in der Welt, der deutlich bessere Zugang zu Trinkwasser oder Bildung. Der Green Deal der EU, der das Potential hat ein  Rahmen für die weitere Ökologisierung der Wirtschaft und der Gesellschaft zu werden. In dieser Welt im Umbruch kämpfen Unternehmen heute mit Herausforderungen mannigfaltigster Art, um (nachhaltig) überlebensfähig bleiben zu können. Nach wie vor sind die Hauptthemen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, der Effizienz und der Geschäftssicherung, in manchen Fällen auch blanke Profitgier. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Organisationen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen mit Entwicklungsmöglichkeiten und vor allem sinnvolle Arbeit und ökologisch nachhaltigere Produkte zu bieten. Dieser Druck kommt besonders von den jüngeren Teilen unserer Gesellschaften und interessanterweise auch immer stärker von den großen Investmenthäusern, die mehr und mehr nach „Green Investments“ suchen. Wir können also davon ausgehen, dass der Druck weiter steigen wird. Ein Druck, den wir brauchen, damit Dringlichkeit für die notwendige Veränderung der Welt entsteht.

Welche Schlüsse haben wir aus all diesen Entwicklungen gezogen:

Wir haben neben unseren Beratungsaufträgen in Unternehmen aller Größen allein in den letzten zehn Jahren rund 50 NGOs oder Organisationen der Civil Society beraten, teilweise gratis, teilweise zu stark reduzierten Tagsätzen. Wir haben Gratisplätze für KollegInnen aus solchen Organisationen in unseren Lehrgängen gewährt, weil wir überzeugt sind, dass die Zivilgesellschaft und Organisationen, die quasi als Ausgleichsgewichte in der Entwicklung von Gesellschaft und Ökologie dienen, Unterstützung und Know-how brauchen. Ausgleich oder Balance ist hier auch das Zauberwort: Wir gehen davon aus, dass Entwicklung nur in der Kooperation (inkl. fruchtbarer Diskurse) zwischen staatlichen, nicht-staatlichen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen gelingen kann.

Wir haben daher vor einiger Zeit begonnen, mehr und mehr dieser gesellschaftlichen Fragen in unserer Arbeit mit Unternehmen zu thematisieren. Mit dem Ziel, Fragen nachhaltiger Entwicklung von Demokratie und Ökologie als relevante ökonomische Kategorien verankern zu helfen. Die SDGs (Sustainable Development Goals) sind dabei eine gute Orientierungshilfe (https://www.sdgwatch.at/de/ueber-sdgs). Um nur eines zu erwähnen, greife ich hier das 8. SDG heraus: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschafts­wachstum. Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern. Klingt herausfordernd? Ist es auch – und so was von nötig.

Wie haben wir von trainconsulting diesen Veränderungsprozess angelegt?

Nach einer breiten Analyse dieser Entwicklungen, unserer Kunden(-anliegen) und unseres eigenen Profils, haben wir uns im Gesamtteam entschieden, einer noch mutigeren Mission zu dienen:

„Wir beraten Organisationen dabei, in einem sich stark verändernden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Umfeld verantwortungsvoll und mutig Zukunft zu gestalten.“

Seit letztem Sommer sind wir nun daran, Vision und Mission zu schärfen und unser Geschäftsmodell weiter zu entwickeln. Wir wollen in Zukunft zunehmend Unternehmen dabei begleiten, zu schönen Organisationen zu werden, die die Welt besser machen wollen. Schön sind für uns Unternehmen, die in der Wahrnehmung der Gesellschaft einen Beitrag für eine bessere Welt leisten, die Werten verpflichtet sind oder sich stärker in diese Richtung bewegen wollen. Unternehmen, die neben den notwendigen Profitabilitätszielen ihre Verantwortung in und für diese Welt als relevantes Ziel verankern möchten. All dies verändert in der Folge auch die Geschäftsmodelle von Unternehmen. Genau dort sehen wir auch die relevanteste Veränderung in den Unternehmen und eine unserer zentralen Rollen als Berater*innen.

Wir wissen, dass sich dafür viele Muster von Unternehmen und in der Gesellschaft zu verändern haben. Deshalb haben wir bei uns selbst damit angefangen: Musterveränderung als zentrales Element von Transformation, weil es diese Muster sind, die unser Handeln in Bahnen halten oder in Neue lenken, uns treiben und uns behindern.

Und nun, ein paar Kilometer auf diesem Weg, sehen wir noch klarer, wie tief diese Veränderung ist, für unsere Kund*innen und auch für uns selbst. Wir gehen davon aus, dass wir dafür noch radikaler als bisher an der Qualität unserer Beratung arbeiten, noch beweglicher, noch mehr an den Bewegungen im Außen orientiert sein müssen. Lernen zu organisieren, wirksames, kooperatives Lernen in voller Transparenz ist dafür angesagt. Eine Herausforderung für BeraterInnen, die ja den Ruf haben, durchaus kompetitiv geprägt zu sein. Eine Herausforderung für Menschen, die einen Beruf ergriffen haben, der ein gesundes Maß an Narzissmus durchaus auch braucht. Was uns wohl am intensivsten beschäftigt ist die Frage der Balancierung von ökonomischer Notwendigkeit und sozialer und ökologischer Verantwortung. Wie können wir selbst ausreichend profitabel sein, um gesund und stark investieren zu können? Welche Aufträge nehmen wir vollen Herzens an, um unserer eigenen Mission gerecht zu werden, und wo können und müssen wir Grenzen ziehen, auf Profit verzichten, weil wir uns selbst untreu werden. Themen, die für Führungskräfte in vielen Organisationen wohl bekannt klingen.

Wir bleiben dran und werden immer wieder erzählen, wie sich dieser neue Weg entwickelt.

Möchten Sie Unternehmen kennenlernen, die einen neuen gesellschaftlich relevanten Fokus setzen? Möchten Sie deren Lösungswege für nachhaltiges Wirtschaften erfahren und diskutieren?

Bei welchen relevanten Themen setzt Ihr Unternehmen neue Impulse?

Wir laden zum Dialog mit Expert*innen und Praktiker*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf dem Systemicum am 04. März 2021: www.systemicum.eu

Lothar Wenzl

Lothar Wenzl

Gesellschafter von trainconsulting, systemischer Organisationsberater, Organisations-Designer, Executive Coach, Buchautor, langjährige Führungserfahrung in internationalen Konzernen
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