Polarisierung – Ambiguität – Perspektivenvielfalt

Drei Gründe, die eine verstärkte Professionalität im Umgang mit Konflikten und eine neue Art der Zusammenarbeit erfordern

Verstärkte Polarisierung

Die Unterschiede innerhalb von Organisationen waren noch nie so groß. Hierarchie versus Netzwerke. Anweisung & Kontrolle versus Eigenverantwortung & Vertrauen. Detailliertes Planen versus Experimentieren. Was J.P. Kotter mit seiner bimodalen Organisation schon vor einigen Jahren beschrieben hat, wird jetzt in vielen Unternehmen so richtig spürbar - mit all ihren Konfliktpotentialen. Die Arbeitswelten gehen immer weiter auseinander. Zusätzlich führen unterschiedliche Ansichten über Veränderungsgeschwindigkeiten zu weiteren Spannungen. Digital Natives praktizieren andere Arten der Zusammenarbeit und prallen damit nicht nur auf starre organisationale Strukturen, sondern auf konträre Haltungen anderer Generationen. Gegensätzliche Bilder über Sinn & Zweck von Arbeit stellen bisherige Werte in Frage. Die Tendenz, sich in die eigene, harmonische, vertraute Gruppe (Bubble) zurückzuziehen, verstärkt diese Polarisierung. Dies zeigt sich auch verstärkt in unserer Gesellschaft und stellt unser generelles Zusammenleben vor neue Herausforderungen.

Zunehmende Ambiguität

Spätestens in der heutigen Zeit muss die Illusion einer durchschaubaren Welt aufgegeben werden. Mehrdeutigkeiten und Widersprüchlichkeiten schaffen Unsicherheit und machen das Denken in einfachen linearen Kausalketten obsolet. Komplexe Wirkungszusammenhänge erschweren Entscheidungen. Nicht Entweder – Oder, sondern Beides. Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und Widersprüche zu ertragen, wird immer wichtiger. Dabei braucht es verstärkt die Anerkennung von Emotionen im Arbeitsalltag. Der Umgang damit fällt oft nicht leicht, besonders, wenn es um negativ konnotierte Emotionen geht. Erste Reaktionen sind oft Überforderung oder ein Rückfall in tradierte Verhaltensmuster. Spannungen und Konflikte wurden früher am liebsten nach oben delegiert oder unter den Teppich gekehrt. Wenn dies zunehmend dysfunktional wird, helfen nur mehr neue Konfliktregulierungsstrategien.

Notwendige Perspektivenvielfalt

Wir können in dieser widersprüchlichen Welt nicht mehr alles allein verstehen, entscheiden und lösen. Wir sind künftig noch viel mehr als bisher auf andere und auf die Zusammenarbeit über die Grenzen unserer Systeme - intern, wie extern - angewiesen. Außenperspektive wird immer wichtiger. Es geht darum die Silos zu verlassen und Interdisziplinarität zu forcieren. Ko-Kreationsprozesse und cross-funktionale Kooperationen ermöglichen in ihrer Vielfalt die notwendige Leistung, Kreativität und Innovationskraft, die der Markt heute benötigt. Allerdings gehören in heterogenen Teams Spannungen zum Alltag und müssen mit großer Sorgfalt gepflegt und reguliert werden. Besonders beim Gelingen oder Misslingen gemeinsamer Entscheidungsfindungsprozesse zeigt sich die Qualität von Teams. Dazu braucht es ein neues Verständnis von Zusammenarbeit, von Führung, oft auch ein neues Organisationsdesign, aber in erster Linie sehr gute Konfliktmanagementfähigkeiten. Denn Konflikte sind notwendig, normal und sinnvoll, wenn sie laufend gelöst oder zumindest reguliert werden.

In unseren Tool Box-Modulen 2020 beschäftigen wir uns intensiv mit dieser Thematik und bieten Raum für Reflexion und Austausch.

Thomas Schöller

Thomas Schöller

Obsessed Designer of cultural change and deep dive learning experiences. Forscher zur Zukunft der Arbeit und der neuen Rolle von Eigenverantwortung, Autonomie und Fehlerkultur in Organisationen. Brückenbauer zwischen New Work und Old Economy.
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